Hotel Arabia

Für die Theaterproduktion „Hotel Arabia“ fand eine vom Fonds Darstellende Künste und der Cafe Royal Kulturstiftung geförderte Recherchereise nach Dubai und Abu Dhabi statt. Konzentriert auf die Frage nach nichtkommerzieller Kunst in den Emiraten, deren Kulturleben den Fokus auf monumentale Projekte wie den Louvre Abu Dhabi auf Saadiyat Island und den mittlerweile durch die Finanzkrise gescheiterten Opernbau in Dubai legt, entstanden Videointerviews mit Galeristen, Malern, Performancekünstlern, Sängerinnen und Arbeitern.

Aufgrund der Begegnungen setzte meine Beschäftigung mit dem Phänomen des „Transits“ ein – die Kulturschaffenden mit überwiegend syrischen, lybischen, indischen oder englischem Hintergrund bedenken immer schon das Verlassen des Landes mit, sie befinden sich in dem paradoxen Zustand der „erstarrten Bewegung“ (Holert / Terkessidis, S. 247) der, wenngleich sie körperlich über lange Zeiträume im Land anwesend sind, bereits ihre Abwesenheit vorwegnimmt.

Auszüge aus den entstandenen Videointerviews verbindet die Aufführung „Hotel Arabia“ mit fiktionalen Erzählungen über eine Journalistin und einen Journalisten, deren Arbeitsvorhaben in Dubai scheitert, die ins Straucheln geraten und mit Orientierungsverlust und einer Autopanne im Wüstensand steckenbleiben: Auftrag der beiden ist es, Michael Schindhelm über die Großprojekte der europäischen Hochkultur, die Louvre-Ableger und natürlich sein großes Opernhaus zu befragen. Doch ihr Interviewpartner sagt unerwartet ab. Aufgebracht droht die Redaktion zu Hause mit Kündigung. Sie bietet einen einzigen Ausweg an: Dass ein adäquates Ersatzprojekt aufgetan wird.

Daraufhin engagieren die beiden einen Übersetzer und tauchen ein in die Welt der asiatischen Arbeiter. „Machen Sie Kunst?“ ist stets ihre erste Frage. Eine Bewegung von der Hochkultur zur Subkultur beginnt. Die Reisenden geraten selber in den Strudel der Globalisierung. Sicher geglaubte Grenzen von Körpern und Identitäten verschwimmen.

In „Hotel Arabia“ berichten die beiden von Begegnungen in Hotelbars und arabischen Wohnzimmern. Sie erzählen von der Wüste, lauschen indischen Liedern über unerfüllte Liebe und demonstrieren pakistanische „Allroundtänze“. Videoaufnahmen von merkwürdigen Begebenheiten in Arbeitercamps sind zu sehen, ein hölzernes Kamel spielt eine fragwürdige Rolle und ein elektronisches Keyboard hängt von der Decke. Das Keyboard zu spielen erfordert akrobatischen Einsatz. Doch nichts kann die Ex-Journalisten aufhalten. Denn es gab eine Nacht, die sie unfreiwillig in der Wüste verbracht haben, und sie haben noch eine Rechnung offen.

Konzept, Text, Performance: Carola Lehmann; Performance: Daniel Merten; Text: Petra Steuber; Dramaturgie: Jörn J. Burmester.

Aufführungen im Theater Eigenreich, Berlin, 2008.

Gefördert vom Fonds Darstellende Künste und der Cafe Royal Kulturstiftung.