Wo ein Wille ist, ist ein Weg

„Schönen guten Tag. Das erste Mal, dass ich mit dem 8. März, dem Internationalen Frauentag, in Kontakt kam, war etwa 1991, als ich diesen Tag zufällig in Moskau verbrachte, und aufgeblasene Matrioschkas über dem Roten Platz schwebten. Ich habe erst jetzt erfahren, dass ein recht enger Zusammenhang besteht zwischen dem 8. März und Feminismus. Ich mag diesen Begriff nicht, er hat eine unangenehme Härte und auch einen ideologischen Beigeschmack. Dennoch dreht sich mein Beitrag um mein Verhältnis zu Feminismus.

In den Jahren von 1993 bis 1997 habe ich mich sehr viel mit Themen beschäftigt, die als „feministisch“ bezeichnet werden können. Ich habe in einer Frauen WG mit männerfreien Tagen gewohnt, eine Arbeit über Performancekunst von Frauen geschrieben und die Aufführung „Von Anfang an“ entwickelt, die sich mit Stereotypen beschäftigt. Ich habe mich auch mit den Kodierungen des Körpers beschäftigt, das heißt, ich habe versucht heraus zu finden, wie der weibliche Körper in Bildern repräsentiert wird und welche Bedeutung es hat, dass Frauen sich auf die und die Art kleiden, Schminke verwenden und sich dadurch als „weiblich“ definieren. Weiterhin habe ich versucht herauszufinden, warum Männer so viel weniger Aufwand mit ihrem Äußeren betreiben. Sie „markieren“ ihren Körper, betonen, dass sie sich von anderen Männern unterscheiden, aber eben lediglich, indem sie sich einen Schnurrbart wachsen lassen oder einen Rollkragenpullover tragen.

Als ich überlegte, was ich heute Abend zeigen werde, dachte ich, ich könnte ein „Reenactment“, eine Wiederaufführung, machen von einer der bekannteren Frauenperformances, die ich untersucht habe, und könnte mir je nach Performance eine Schriftrolle aus der Vagina zu ziehen, mit einem Speculum meinen Gebärmutterhals zeigen oder mir einen Pinsel zwischen die Schamlippen klemmen und damit ein Bild malen, um so meine Autorinnenschaft zu verdeutlichen. Aber ich wollte was anderes machen, ich wollte Interviews führen. Feminismus sei Schnee von gestern, so heißt es oft, und deshalb wollte ich herausfinden, was die Menschen in der Gegend, in der ich wohne, also im Prenzlauer Berg in Berlin, über Feminismus und über den 8. März denken. Ich wollte meinen globalen Gedanken, dass Frauen und Männer die gleichen Rechte und Chancen haben, im Lokalen überprüfen und die Meinungen der Menschen aus meiner Nachbarschaft erfahren. Dieses Video zeigt Ausschnitte aus den Interviews, die ich geführt habe. (…)“

Aufführungen in der Baiz und beim Performerstammtisch, Berlin, 2009.